Veränderung

Der Traum vom Leben wird jeden Tag neu geträumt, hundertmal, tausendmal, … . Warum muss das Leben ständig neu erfunden werden?

Die meisten Menschen bemühen sich ihre Lebensumstände konstant zu halten, das einmal Erreichte festzuhalten. Dies dient zum einen der psychischen Stabilität, zum anderen zur Aufrechterhaltung des subjektiven Gefühls alles unter Kontrolle zu haben. Dieses Denkmuster führt zu einer Verlangsamung der individuellen Veränderungsprozesse. Festhalten heißt gleichzeitig ein Nichtinfragestellen der grundsätzlichen Parameter, die als individuelle Säulen der Identität fungieren.

Identität bildet sich in unserer westlichen Gesellschaft zu einem großen Teil durch den Beruf den man ausübt und durch die Position, die man inne hat. Ist der Anspruch den man an seinen Beruf hat größtenteils durch die tägliche Arbeit abgedeckt, so stellt sich Zufriedenheit ein. Es handelt sich demzufolge um eine stabile Säule des Lebens.

Das zweite Standbein ist die Familie, sowohl die Herkunftsfamilie als auch die selbst geründete Familie. Dazu gehören auch der Freundeskreis und das ganze soziale Umfeld, die wesentlich zum individuellen Wohlbefinden beitragen. Ist bei den privaten Beziehungen alles ausgeglichen und harmonisch, so wird die Psyche stabilisiert.

Die dritte Säule wird von den Ich-Bedürfnissen gebildet. Ich-Bedürfnisse sind all jene individuellen Wünsche, die man befriedigen würde, wenn man nicht auf seine Familie und sein soziales Umfeld sowie die Arbeit Rücksicht nehmen müsste. Auf Grund einer erfolgreichen Sozialisation hat man gelernt, was im sozialen Kontext noch akzeptiert wird. Die Frage, die sich für den Einzelnen stellt ist: Wie bringe ich die Anforderungen, die mit den drei Säulen der Identität verbunden sind, miteinander so in ein Gleichgewicht, dass ich auf allen Feldern erfolgreich bin bei gleichzeitiger individueller Zufriedenheit?

Hat man einmal diese grundsätzliche Stabilität erreicht will man sie selbstverständlich festhalten, denn die Stabilität hat durchaus einen “Preis” gehabt. Den Erfolg in der Arbeit in Verbindung  mit privater Harmonie sowie vertretbare Kompromisse mit sich selbst bezüglich der Ich-Bedürfnisse sind nur durch harte Arbeit auf allen Feldern gleichzeitig zu erreichen. Dieser erstrebenswerte Zustand, einmal erreicht, will festgehalten werden.

Welche Motivation, welche Gefühlslage verbirgt sich hinter diesem Festhalten? Veränderung bedeutet meist Unsicherheit darüber, ob das, was auf uns zu kommt, wirklich besser für uns ist als der gegenwärtige Zustand oder ob nicht alles sich ins Gegenteil wendet. Davor haben viele Menschen Angst. Veränderungsprozesse sind, bis sie sich wieder stabilisiert haben, immer mit einem Kontrollverlust verbunden. Diesen “Schwebezustand” zu genießen, ohne das Ergebnis mit Sicherheit voraussagen zu können, ist eine hohe Kunst.

Rein hypothetisch kann man Veränderung als Konstante im Leben betrachten. Nichts bleibt so wie es ist, auch wenn die Prozesse manchmal langsam voranschreiten. Das menschliche Leben müsste demzufolge darauf ausgerichtet sein, Denkstrukturen und -Routinen zu etablieren, die bei Veränderungen sofort mit Anpassung reagieren und nicht mit Abwehr. Denkstrukturen, die sofort analysieren, wo sich Handlungsspielräume befinden und wo die momentan unverrückbaren Parameter sind, auf die es sich nicht lohnt, Energie zu verschwenden.

Jeder Mensch besitzt nur eine bestimmte, begrenzte Menge an Energie, die er auf ein Ziel konzentrieren kann oder auch nicht. Ohne ein Ziel vor Augen wird die Energie genauso verbraucht, allerdings mit mehr zufälligen Ergebnissen. Die Wahrscheinlichkeit ist eher gering, dass sich alles zur individuellen Zufriedenheit entwickelt.

Die verfügbare begrenzte Energie ist die zweite hypothetische Konstante im Leben. Wenn die vorhandene Energie nicht beliebig vermehrt werden kann, sondern von vornherein limitiert ist, sollte es selbstverständlich sein, dass man sorgfältig damit umgeht.

Als dritte hypothetische Konstante kann die Bedürfnisstruktur des Menschen angesehen werden. Nehmen wir an die Grundbedürfnisse aller Menschen seien gleich, unabhängig davon in welchem Kulturkreis sie sich aufhalten. Alle wollen das Gleiche: genug zum Überleben (Essen und Trinken), ein Dach über dem Kopf, relative Angstfreiheit vor der Zukunft und etwas Liebe und Geborgenheit. Darin sind alle – fast alle – gleich. Das was darüber hinaus als notwendig zum alltäglichen Leben, als schön, richtig oder falsch erachtet wird, kann durchaus differieren.

Bringt man diese drei Konstanten des Lebens in Beziehung zueinander, so wird deutlich, wo wir bei Veränderungsprozessen ansetzen müssen, um die Bereitschaft des Einzelnen zum Mitmachen zu wecken.

Veränderung: Das Ziel der Veränderung ist für die Betroffenen von erkennbarem Vorteil.

Grundbedürfnisse: Die Grundbedürfnisse können auch nach der erfolgten Veränderung in gewohnter Weise abgedeckt werden und werden grundsätzlich nicht in Frage gestellt.

Energievorrat: Der vorhandene Energievorrat wird nur für eine begrenzte, überschaubare Zeit überproportional in Anspruch genommen.

Angst/Unsicherheit: Ein offener Umgang mit der auftretenden Verunsicherung ist absolut notwendig.

Wie können Angst und Unsicherheit aber vermieden werden, so dass die Neudefinition von Leben aktiv mitgestaltet wird? Mitgestalten heißt die eigenen Ideen einbringen, die Energie auf ein gemeinsames Ziel konzentrieren und gleichzeitig die Hoffnung in sich tragen, dass man es gemeinsam mit den anderen schafft.

Veränderung muss ein Ziel haben und dieses Ziel muss nicht nur kommuniziert sondern auch diskutiert werden und zwar solange, bis die größten Zweifel ausgeräumt sind. Die Möglichkeit der Beseitigung von vorhandenen Zweifeln hängt ganz stark davon ab, in wie weit die Betroffenen einen Vorteil für sich erkennen können. Sind nur Nachteile erkennbar, so stellt sich die Frage: Warum sollte jemand so etwas unterstützen?

Fundamental ist auch die Vermittlung einer Art von Grundsicherheit, dass die Veränderung nicht zu einer gravierenden Einbuße in der Absicherung der Grundbedürfnisse führt, sondern zu einer Stabilisierung oder Optimierung beiträgt. Warum sollte man sich selbst den Boden unter den Füßen wegziehen? Wer viel hat, hat auch viel zu verlieren. Keiner möchte das, was er sich erarbeitet hat, wieder verlieren und von vorne anfangen.

Die Belastbarkeit des Einzelnen stellt eine weitere Herausforderung dar. Wenn jemand von der Sinnhaftigkeit eines neuen Ziels überzeugt ist, engagiert er sich freiwillig und arbeitet wesentlich mehr als normal. Dieses Engagement darf aber nicht dazu führen, dass man den Zeithorizont aus den Augen verliert. Es muss erkennbar sein, wann man wieder einen Gang zurückschalten kann. Ein guter Läufer hat auch Probleme die maximale Leistung zu erbringen, wenn er nicht genau weiß, ob er einen, zehn oder vierzig Kilometer laufen soll. Letztlich ist auch seine Energie begrenzt und muss auf ein klar definiertes Ziel fokussiert werden.

Verantwortung

Das Zusammenleben muss geprägt sein von prinzipieller Wertschätzung und Achtung vor dem Anderen. Menschen gehen verschiedenen Tätigkeiten nach, die unterschiedlich entlohnt werden und mit unterschiedlichem Status versehen sind. Ob Vorstand, Pförtner, Verkäuferin oder brotloser Künstler – als Mensch ist jeder gleich viel wert!

Wenn das wirklich so ist, dann ist jedes Menschenleben gleich viel wert. Unabhängig davon welche Staatsangehörigkeit man besitzt, gleichgültig welcher Hautfarbe man ist, gleichgültig welcher Glaubensgemeinschaft man angehört und welchen Bildungsabschluss man hat gepaart vielleicht mit viel Geld.

Die Achtung des menschlichen Lebens führt zwangsläufig zu der Schlussfolgerung, dass Gewalt (physisch und psychisch) als Mittel der Auseinandersetzung nur im Verteidigungsfall bei direkter Bedrohung der eigenen Existenz geboten ist, nicht aber zur prophylaktischen Eliminierung potentieller Feinde. Gewaltanwendung nach dem Motto “Angriff ist die beste Verteidigung” ist ein Armutszeugnis für die intellektuelle Verfassung. Menschen können nur auf der Basis von Gleichberechtigung zu gegenseitigem Wachstum beitragen.

 

Vorbild

Ein Mensch mit Vorbildfunktion hält sich nicht für etwas “besseres”, er handelt weil er lernt und dadurch erkennt, dass nichts auf Dauer von Bestand ist außer dem stetig voranschreitenden Wandel. Durch diese bewusst gesuchten Erfahrungen ist es ausgeschlossen, dass einen andere Sichtweisen, Argumente, Weltanschauungen nicht interessieren. Im Gegenteil: alles Neue, alles was irgendwie anders ist als ich selbst, weckt meine Neugierde und bereitet den Weg zu gezielten Veränderungen.

Das Bewusstsein der eigenen Möglichkeiten zum gezielten Wandel öffnet den Geist und erhöht die Wahrnehmungsfähigkeit. Die Wirkung auf die Umwelt ist evident: die anderen Menschen öffnen sich, legen ihre Standpunkte klar und tragen zur gemeinsamen Weiterentwicklung bei. Der Konsens heißt nicht, den anderen überzeugen zu können, sondern sich mit ihm weiterzuentwickeln.

Zur Vorbildfunktion gehört auch die Loyalität. Das bedeutet, eine einmal definierte Beziehungsebene  darf nicht um eines einseitigen Vorteils willen gefährdet werden. Hat sich eine wie auch immer definierte “Gefolgschaft” gebildet, muss sich jeder der Beteiligten zu hundert Prozent auf den anderen verlassen können. Loyalität anderen Menschen gegenüber ist auch nicht teilbar – ganz oder gar nicht.

Kommunikation

Eine einzelne, subjektive Perspektive kann nicht das Maß aller Dinge sein, bestenfalls eine Annäherung zum Gedankenaustausch. Eine neue Sichtweise ist letztendlich immer eine Bereicherung, da sie neue Informationen enthält, die ich erst verarbeiten und bewerten muss. Wenn ich auf Ratschläge von anderen zurückgreifen kann erweitert sich auf jeden Fall mein Beurteilungshorizont. Der Prozess im Gehirn, der dazu führt, dass ein Standpunkt als richtig erachtet wird, ist ganz einfach: man nimmt über alle “Empfangskanäle”(Ohren, Augen, Geschmacks- und Geruchsrezeptoren etc.) etwas wahr, vermutet im nächsten Schritt, was das sein soll und kommt schließlich zu einer Bewertung. Die Güte dieser Bewertung hängt von der Qualität meiner Wahrnehmungen ab und diese wiederum von meinen bisher gemachten Erfahrungen.

Vor diesem Erfahrungshintergrund wird alles kontrastiert und anschließend zugeordnet. Gibt es bereits “Erfahrungsordner”, so kann ich alles wunderbar zuordnen und verarbeiten. Gibt es diesen Ordner nicht, kann ich entweder mit Ignoranz reagieren und das Neue ablehnen, oder ich füge meinen Erfahrungen eine neue hinzu.

Selbst in einer so hierarchischen Gesellschaft wie dem feudalen Japan des 17. und 18. Jahrhunderts wurde der Wert von Kritik erkannt: “Der beste Weg, andere zu übertreffen, ist der, von anderen aufrichtig die eigenen Angelegenheiten kritisieren zu lassen und sie um Rat zu fragen. Für die meisten Menschen zählen nur ihre eigenen Meinungen. So kann man andere aber nicht übertreffen. Dazu muss man andere um Rat fragen”(Hagakure).

Die Frage, die sich in der heutigen Erfolgsgesellschaft stellt ist, ob es überhaupt sinnvoll ist, so offen zu kommunizieren, sich so offensichtlich an der Meinung von anderen zu orientieren? Wird dies nicht als Schwäche ausgelegt, bei Führungskräften als Unfähigkeit, klare Linien vorzugeben?

In einer auf den äußeren Erfolg ausgelegten Gesellschaft kann das sehr schnell der Fall sein. Der entscheidende Punkt ist, worauf beruht die individuelle Sicherheit, das Selbstbewusstsein? Stelle ich meine Fragen aus einer Position der Stärke heraus, die ein kohärentes Selbstbild impliziert oder bin ich von Äußerlichkeiten, von der Zustimmung der anderen abhängig.

Die Position der Stärke hat nichts mit Dominanz zu über andere zu tun, sie ist vielmehr ein Ausdruck dafür, dass ich mir meiner Fähigkeiten und Zielvorstellungen bewusst bin und mich trotz aller geleisteten Vorarbeiten freue, neue Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Wird vom Erscheinungsbild eines Menschen gesprochen, von seiner Ausstrahlung, gar seinem Charisma, dann hat das in erster Linie mit seinem Selbstbild zu tun. Das Selbstbild wiederum beeinflusst das Kommunikationsverhalten. Bin ich wirklich souverän in allen Situationen, unabhängig von Status und sonstigen äußeren Merkmalen?

Die innere Ausgeglichenheit und Zufriedenheit strahlt nach außen ab und beeinflusst die Wahrnehmung meiner Umgebung. Die Einstellung zu dem, was ich bisher im Leben erreicht habe, die aktuelle Zufriedenheit im Jetzt und die Erwartungen an die Zukunft, prägen mein Selbstbild. So wie ich über mich denke prägt sich meine Wirkung auf andere aus. Ein Mensch, der mit sich und seinen Lebensumständen im Einklang ist, wird auf andere immer eine beruhigende und nicht bedrohliche Wirkung haben. Dies ist eine gute Basis für einen offenen und ehrlichen Informationsaustausch. Signalisiere ich gleichzeitig, dass ich für Veränderungen aufgeschlossen bin, so ist die Basis für Kooperationen gelegt.

Die Art der Kommunikation bzw. das Kommunikationsverhalten machen sowohl in den Formulierungen als auch in der Körpersprache deutlich, in wie weit eine Handlungsorientierung vorhanden ist. Handlungsorientierung meint die konkrete Absicht nach einer Diskussion auch zu Maßnahmen überzugehen. Eine Führungskraft, die bei einem Workshop mit Mitarbeitern nach einer Sammlung von kritischen Themen sofort versucht, die Dinge zu rechtfertigen oder schön zu reden, signalisiert Angst vor Veränderung und mangelnde Souveränität. Die Glaubwürdigkeit für alles Nachfolgende ist in Frage gestellt. Fehlt bei den Mitarbeitern aber der Glaube, dass sich etwas verändern lässt, so ist die Motivation dahin. Letztendlich wird man an seinem Verhalten gemessen, d.h. reden und handeln müssen deckungsgleich sein. Daraus entsteht für die Anderen eine Berechenbarkeit des Verhaltens und damit Sicherheit. Wer anderen Sicherheit gibt, baut Vertrauen auf.

Verantwortung

Bin ich bereit für mein Leben die Verantwortung zu übernehmen? Und wenn ich für mich Verantwortung übernehme muss ich dann nicht auch für mein unmittelbares Umfeld, in das ich ja zwangsläufig eingebunden bin, Verantwortung übernehmen?

Wie weit erstreckt sich mein zu verantwortendes Umfeld? Bin ich nur für meine Familie, für meinen Freundeskreis, für meine Stadt zuständig oder auch für den Staat in dem ich lebe oder im Sinne der Globalisierung für das Raumschiff Erde?

Bewohner der sogenannten demokratischen Staaten haben es leicht: sie übernehmen durch ihre Stimmabgabe bei den Wahlen die Verantwortung und delegieren sie an die gewählten Volksvertreter. Sind diese einmal an der Macht kann man nichts mehr tun – und man ist frei von jeglicher Schuld. Aber genauso wie eine Führungskraft die letztendliche Verantwortung für die Fehler der Mitarbeiter trägt, so bleibt der mündige Bürger für seine Politiker und seinen Staat in der Verantwortung. Er trägt den gesellschaftlichen Grundkonsens mit, selbst wenn man im Detail vielleicht anderer Meinung ist.

Die Verantwortung bleibt letztendlich immer bei einem selbst und ist nicht delegierbar! Inwieweit der Einzelne eine Zuständigkeit für größere Belange als sein unmittelbares Umfeld fühlt, hängt ganz davon ab, wie sein Anspruch an das Leben, an sein Leben ist.

Das Prinzip Selbstverantwortung bedeutet, dass jeder Mensch für sein Handeln die Konsequenzen tragen muss. Er hat immer die Wahl, sein Umfeld aktiv mitzugestalten und zu verändern. Daraus folgt, dass die Verantwortung für Missstände nicht allein auf den Staat oder diverse Institutionen abgeschoben werden kann, frei nach dem Motto: Ich habe meine Volksvertreter gewählt, sie sind verantwortlich. Selbstverantwortung heißt, dass der Einzelne zu allen Lebensbereichen aktiv seinen Beitrag leistet, falls er den Eindruck gewinnt hier läuft etwas in die falsche Richtung. Nicht einseitige Schuldzuweisung ist angesagt, sondern die prinzipielle Akzeptanz der Selbstbestimmung.

Die Frage, ob es mir gut oder schlecht geht, kennt nur einen Verantwortlichen: Mich selbst! Das Credo muss lauten: Ich habe individuelle Fähigkeiten und mit diesen Anlagen kann ich mein Leben selbst gestalten. Nicht mein Partner oder mein Chef ist dafür verantwortlich, dass es mir gut geht, sondern nur ich selbst. Habe ich z.B. einen autoritären “Knochen” als Chef, so stellt sich die Frage, was ich unternommen habe, um die Situation zu verändern? Leide ich mehr oder weniger still vor mich hin, oder gehe ich das Problem aktiv an. Der Pfeil der Verantwortung zeigt immer auf mich.

Aktiv angehen heißt zunächst den Mitmenschen Vertrauen entgegenzubringen. Ohne Grundvertrauen gelingt es niemals die Berührungsängste im Zusammenleben abzulegen. Vertrauen, das man anderen Menschen entgegenbringt, birgt die Gefahr der Enttäuschung und des Verlustes in sich, andererseits aber auch die Chance des Gewinns, nämlich des Gewinns an neuen Erfahrungen. Wer nicht mehr die Fähigkeit besitzt, neue Erfahrungen im Leben zu machen, weil er Angst hat, der ist bereits tot. Er kapselt sich gegen neue Einflüsse ab, bleibt geistig stehen und ist somit unfähig, sich den natürlichen Herausforderungen der laufend stattfindenden Veränderungen zu stellen.

Da Leben Veränderung bedeutet sind Probleme auf Grund unterschiedlicher Bewertungen dieser Veränderungen eine ganz natürliche Sache. Man muss sie nur als solche akzeptieren. Ein solches Problemverständnis bringt einen Verlust an Sicherheit mit sich, da als gesichert betrachtete Werte, Einstellungen und in der Vergangenheit erfolgreiche Verhaltensmuster hinterfragt und neu bewertet werden müssen. Ein Ding der Unmöglichkeit ohne Vertrauen, Vertrauen nicht nur zu den Mitmenschen sondern auch Vertrauen zu sich selbst. Das Selbstvertrauen in die eigenen Gestaltungsspielräume und Handlungschancen setzt die Erkenntnis voraus, dass der Einzelne nicht nur Spielball von Strukturen und Abhängigkeiten ist, sondern auch der Gestalter seines einzigartigen Lebens.

Dieses Bewusstsein lässt nicht die konkreten Lebensumstände außer Acht, in die ein Mensch hineingeboren wurde. Nicht jeder kann als Unternehmer reich werden oder ins Bundeskanzleramt kommen. Die Frage ist eine andere: Was macht der Einzelne aus den gegebenen Verhältnissen in Verbindung mit seinen einzigartigen, individuellen Fähigkeiten? Verhält er sich passiv und seinem Schicksal ergeben oder übernimmt er die Initiative für seine Träume und Ziele und versucht auf dem Weg der Erfahrung voranzugehen.

Neue Erfahrungen macht man in erster Linie mit anderen Menschen. Ich unternehme etwas, die Konstellationen in meinem Umfeld verändern sich und neue Mitspieler treten auf die Bühne. Gleichgültig ob ich direkt für das Auftauchen neuer Akteure verantwortlich bin oder nicht, entscheidend ist, dass ich für meine Mitmenschen ein Maß an Verantwortung trage, das ich selbst definieren muss. Fühle ich diese Verantwortung nicht, werde ich mich auch nicht um andere kümmern. Bin ich mir dagegen bewusst, dass die Zugehörigkeit zur menschlichen Gemeinschaft von mir verlangt, einen Beitrag zur Weiterentwicklung aller zu leisten, so kann es nicht mehr sein, dass ich meinen Mitmenschen mit Gleichgültigkeit, Verachtung oder Aggressivität begegne.

Diese Verantwortung impliziert, dass man sich nicht einseitig auf Kosten anderer bereichert und eine privilegierte Position dazu ausnutzt, seine Mitmenschen auszubeuten. Wer Privilegien, eine herausragende Position erreicht hat, besitzt ein hohes Maß an Verantwortung für sein Umfeld. Je größer die Privilegien sind, desto größer ist das Maß an Verantwortung für sein Umfeld. Ein Topmanager hat die Verantwortung für alle Mitarbeiter und nicht nur für die Eigentümer oder Aktionäre.

Darüber hinaus besteht eine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber nicht nur den eigenen Nutzen zu mehren, sondern auch einen gesamtgesellschaftlichen Mehrwert zu generieren: indem Arbeitsplätze erhalten, geschaffen und nicht vernichtet werden, nur damit Analysten das Unternehmen positiv bewerten. Nicht den Analysten ist man verantwortlich sondern dem Ziel der positiven Weiterentwicklung der Unternehmenssubstanz.

Wer mehr besitzt als andere hat mehr Verantwortung. Dieses “Mehr” kann auch ein Mehr an Intelligenz oder Fähigkeiten sein, was zur Folge hat, dass man die Konsequenzen seines Handelns immer vor dem Hintergrund der Auswirkungen auf andere bedenken muss. Bin ich reicher, intelligenter … als andere, so haben meine Handlungen weitreichendere Auswirkungen. Das Prinzip “Nach mir die Sintflut” bedeutet eine Schädigung des gesellschaftlichen Konsenses über das Zusammenleben. Eine einseitige Nutzenmaximierung erodiert die Basis auf der die Demokratie gründet, nämlich dass gesellschaftlicher Nutzen vor Eigennutzen kommt. Wenn die Auswüchse, die aus den freiheitlich demokratischen Grundrechten abgeleitet werden, nicht in ihre Schranken gewiesen werden, so löst sich der Glaube an den Staat auf. Die freie Marktwirtschaft führt dazu, dass jeder versucht geltende Regeln so zu interpretieren, wie es für ihn persönlich am vorteilhaftesten ist. Die Prinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens werden schleichend außer Kraft gesetzt und soziale Aspekte verlieren an Wert.

Der Schaden für die Demokratie ist offensichtlich. Wenn der Staat nicht mehr in der Lage ist die von der Mehrheit akzeptierten Regeln durchzusetzen und einzelne sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern, geht der Glaube an die Gerechtigkeit staatlicher Prinzipien verloren.

Körper und Geist als Einheit

Woran liegt es, dass sich viele Menschen wenig oder keine Zeit für körperliche Bedürfnisse nehmen und sich zusätzlich auch noch ungesund ernähren? Natürlich – das ist der Stress! Die Anforderungen im Job steigen, es wird mehr verlangt. Unabhängig von einer Karriereorientierung wird vom Einzelnen verlangt, dass er neues lernt, sich bei Umstrukturierungen an neue Aufgaben anpasst oder sich gänzlich neu orientiert. Die psychische Belastung steigt. Dieser Druck wird häufig durch Überkompensation, durch mehr Arbeit oder durch inneren Ausstieg beantwortet. Ein effizienter Verarbeitungsmechanismus steht nicht zur Verfügung.

Um auf Dauer leistungsfähig zu bleiben sind mehrere Aspekte zu beachten. Erfolg im Beruf wie im Privatleben entsteht nicht durch ein mehr an Arbeit, sondern durch klare, realistische Ziele. Stehe ich vor einer neuen Herausforderung, muss ich mir die vorgegebene oder noch zu definierende Zielsetzung klar vor Augen halten, um dann meine Prioritäten neu zu setzen. Nur so kann ich herausfinden, welches die richtigen Dinge sind, die in Angriff genommen werden müssen. Liebgewordene Gewohnheiten müssen vielleicht verändert oder aufgegeben werden, um zu neuen Ufern entspannt aufbrechen zu können.

Der bewusste Umgang mit dem eigenen Körper ist von entscheidender Bedeutung für dauerhafte Leistungsfähigkeit und Gesundheit. Dazu gehört, dass man sich in irgendeiner Form körperlich betätigt und einen Ausgleich schafft für die psychische Anspannung im Beruf. Was für den Einzelnen passt hängt von der körperlichen Konstitution ab und vor allem vom individuellen Spaßfaktor. Nur was freiwillig und mit Freude praktiziert wird ergibt Wohlbefinden.

Hat der Mensch ein bewusstes Verhältnis zu seinem Körper entwickelt, versteht er auch leicht, was lernen mit dem Körper bedeutet. Rein intellektuelles Lernen vernachlässigt völlig, dass der Mensch nicht nur aus rationalen Komponenten besteht, sondern zu einem großen Teil aus emotionalen Strömungen. Werden Gefühle bei Lern- und Veränderungsprozessen nicht entsprechen thematisiert und berücksichtigt, ist der dauerhafte Erfolg zweifelhaft.

Erfahrungen, bei denen der Verstand und das Gefühl mit einem körperlichen Wohlbefinden gekoppelt sind, werden im Gedächtnis geankert und haben nachhaltige Wirkung. Die unmittelbare Empfindung in einer aktuellen Situation ist fundamental für die Akzeptanz von Entscheidungen. Werden im Nachhinein rationale Argumente gegen ein “Bauchgefühl” herbeizitiert, sogenannte vernünftige Gesichtspunkte, so kann man sicher sein, dass eine darauf basierende Entscheidung in die Hose geht. Körper und Geist sind nur formal in Einklang.

Veränderung

Veränderung braucht Zeit – allein dieser Gedanke ist in der heutigen Situation beschleunigten Wandels Ketzerei. Slogans wie “Die Schnellen fressen die Großen” oder “Turnaround-Management ist Speed-Management” suggerieren, dass Geschwindigkeit im Wettbewerb der einzige entscheidende Faktor ist. Schneller, besser, billiger, der Konkurrenz immer einen Schritt voraus heißt die Devise. Als ob Beschleunigung Inhalte ersetzen könnte oder anders herum gedacht, als ob alle Menschen Hochleistungssportler wären, die man in jeder Disziplin zum Erfolg führen könnte.

Der Begriff der Zeit ist ein zunächst subjektives Konstrukt und deshalb nur bedingt allgemeingültig anwendbar. Was schnell oder langsam ist, hängt nicht in erster Linie von der “objektiv” gemessenen Zeitspanne ab, sondern von dem individuellen Empfinden. Für einen Menschen mit durchschnittlicher Denkgeschwindigkeit ist z.B. ein Visionär mit neuen Ideen und Konzepten, der ohne gründliches Reflektieren der Implikationen sofort weitergeht zu Strategien und Umsetzungsmöglichkeiten, ein Aktivist, mit dem man nur schwer mithalten kann und will.

Die Denkprozesse laufen in verschiedenen Geschwindigkeiten ab und zusätzlich mit anderen Inhalten. Zwar beschäftigen sich diese Inhalte mit der gleichen Zielprojektion, aber unter verschiedenen Perspektiven. Diese Perspektiven gilt es gerade bei Veränderungsprozessen auf die gleiche “Zeitebene” zu heben, da man sonst trefflich aneinander vorbei redet und die Eigenzeit des Vordenkers nicht zur Beschleunigung sondern zu Zeitverzögerungen führt. Der “High-Speed-Aktionismus” schießt wie ein reiterloses Rennpferd ohne verständliche Führung am Ziel vorbei bzw. der Reiter hat das Ziel vor Augen, aber kein Pferd mehr um dahin zu kommen.

Geschwindigkeit ist kein Selbstzweck, sondern dient lediglich dazu effizient ein Ziel zu erreichen. Voraussetzung ist, dass das Ziel von allen Betroffenen auch als solches akzeptiert wird. Rasches, zielorientiertes Handeln ist nur dann möglich, wenn alle notwendigen Ressourcen von den Beteiligten gebündelt werden.

Unterschiedliche Situationen erfordern unterschiedliche Formen von Zeitverläufen. Ein Pilot dessen Maschine sich auf Kollisionskurs befindet muss ohne Zweifel in Sekundenschnelle entscheiden, was zu tun ist. Um hier die richtige Entscheidung treffen zu können muss ein langjähriger Trainings- und Erfahrungsprozess vorausgegangen sein. So erhöht sich die Überlebenswahrscheinlichkeit. Auch hier ist Zeit – obwohl in Sekunden gemessen – als Reifeprozess über mehrere Jahre gewachsen. Dasselbe gilt für einen Sanierungsmanager. Seine zu treffenden Maßnahmen stehen unter einem enormen Zeit- und Erfolgsdruck und trotzdem ist seine Erfahrung von zeitlicher Machbarkeit für den Erfolg ausschlaggebend.

Alle Entscheidungen, ob aus der Situation heraus oder auf Grund reiflicher Überlegungen, sind das Ergebnis von Verlaufsprozessen. Welche Zeitverläufe “optimal” sind, hängt davon ab, wie groß der Druck ist, unter dem die Beteiligten stehen oder zu stehen glauben. Objektiv betrachtet könnte man sagen, dass eine Firma kurz vor der Insolvenz tagtäglich unter Zeitdruck steht. Die verantwortlichen Manager müssen ein hohes Tempo vorlegen. Die Frage, die sich dabei stellt, ist folgende: Wird meine Entscheidung dadurch besser, dass ich mich dem Zeitdruck beuge, noch mehr Gas gebe und allen Mitarbeitern meinen High-Speed Zeitverlauf aufdrücke? Oder muss ich zwar schnellere Entscheidungen treffen und mein Umfeld lediglich durch eine ausreichende Informationsstrategie  auf deren Zeitverlaufsschiene bei der Stange halten? Veränderungsprozesse zielorientiert gestalten heißt die Eigenzeit nicht zum allgemeingültigen Maßstab zu erklären, sondern bewusst mit individuell angepassten Lernkurven den Druck aus dem System zu nehmen.

Die Zeitspanne ist die gleiche, ob man sie lachend oder weinend verbringt. Oder doch nicht? Zeitempfinden ist immer subjektiv, deshalb macht es einen entscheidenden Unterschied, ob man psychisch in guter oder schlechter Verfassung ist. Eine positive Grundgestimmtheit ist das Tor zu einem Zeitverlauf ohne Uhr, negative Dispositionen ziehen die Zeit in die Länge. Aus dem einfachen Grund weil man leidet und in der ewig gleichen Problemschleife gefangen ist: Man sieht nur das Problem und ist unfähig, sich auf mögliche Lösungswege zu fokussieren. Ein Mehr Desselben stellt keinen Erkenntnisgewinn dar, sondern nur eine wachsende Belastung, die das Zeitempfinden in die Länge zieht.

Das Leben findet in dem Augenblick statt, in dem ich lebe – in der aktuellen Sekunde des Jetzt. Deshalb ist das Leben immer gleich wertvoll, unabhängig davon, ob es ein junger Mensch lebt oder ein Neunzigjähriger. Auch wenn man “alles” schon erlebt hat, lebt man trotzdem nur in dem einen Augenblick. Und wen man alles noch vor sich hat, weiß man nie, ob es jemals eintritt. Nur das Hier und Jetzt ist wirklich!

 

Veränderung

Keiner, außer ein Masochist oder ein Selbstmörder, wird sich freiwillig in eine Situation begeben, von der er glaubt, dass sie ihm schadet. Ist eine Situation einigermaßen berechenbar, läuft das Leben in geordneten Bahnen, ich weiß was von mir erwartet wird und was auf mich zukommt. Dafür habe ich ein Verhaltensrepertoire. Aber was ist wenn sich die Situation ändert?

In den Budo-Disziplinen trainiert man verschiedene Verteidigungs- und Angriffstechniken für alle Standardsituationen, um so bewusst richtig reagieren zu können. Das führt zu einer gewissen Sicherheit bei unterschiedlichen Angriffen. Erfolgen die Attacken plötzlich nicht mehr exakt, der Angriff ist keinem Muster eindeutig zuzuordnen, so greifen die Abwehrparaden nicht rechtzeitig. Der Angriff durchstößt die Deckung und mein schönes System ist zerstört. Meine Übungen, die mir Sicherheit geben sollten, waren vergebens.

Auf dieser Stufe kann die Frustration sehr groß sein, da man der Überzeugung war, man hätte alles im Griff. Und hier fängt das Training erst richtig an, wenn man lernen möchte, wie jedweder Angriff durch Variation und Kombination von unterschiedlichen Techniken pariert werden kann. Die Sicherheit entsteht also nicht durch das Üben von mehr Techniken, sondern durch die unbewusste, traumwandlerische Kombination von situationsangepassten Elementen. Dadurch entsteht etwas ganz Neues, etwas das mich befähigt, jeder Herausforderung adäquat zu begegnen.

Wenn ich meine Fähigkeiten kenne, um meine Stärken weiß, aber auch mir meiner Entwicklungspotenziale bewusst bin, gibt es keine Situation, der ich mich nicht ohne Angst stellen könnte. Diese Angstfreiheit oder dieses Bewusstsein meiner Fähigkeiten sind die Voraussetzung, das Leben uneingeschränkt genießen zu können. Je mehr ich mich neuen Situationen, Herausforderungen stelle, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich Neues lerne und meine Wachstumsspirale in Gang halte.

Neue Erfahrungen bedeuten Lernchancen. Mein Lebensmosaik, das aus verschiedenen Erfahrungs- und Fähigkeitsbausteinen besteht, wird sukzessiv erweitert, hoffentlich ohne jemals fertig zu sein.

Es gibt natürlich Ausnahmen: Jemand geht in “geistige Kleinrente” weil er denkt, er wüsste schon alles über das Leben, über richtig und falsch, über gut und böse. Seltsamerweise treffe ich immer wieder auf solche Exemplare, vor allem in Managementpositionen. Aber jeder hat die Wahlfreiheit selbst über seinen Umgang zu entscheiden.

Achtsamkeit im Denken

Was der Mensch denkt strahlt er aus oder genauer gesagt, wie er denkt. Sehe ich überall Gefahren und Feinde werde ich niemals offen auf andere zugehen. Im Gegenteil: Ich werde misstrauisch mein Umfeld betrachten, übervorsichtig agieren und meine Position verteidigen. Und genau diese Signale werde ich auch durch meine Körpersprache aussenden. Das Ergebnis ist klar: Die Kooperation wird sich auf das absolut notwendige Minimum beschränken. Mein Image bei anderen wird geprägt durch Rechthaberei, Inflexibilität und negative Einstellung zu Neuerungen. Diese “Negativspirale” erfährt von allen Seiten Verstärkungsimpulse und wird so zur self fulfilling prophesy. Mit dieser Ausstrahlung gewinnt man nicht viele Freunde und der Erfolg hält sich in Grenzen.

Sehe ich dagegen meine Optionen und mein Selbstwertgefühl ist geprägt von der Überzeugung der eigenen Leistungsfähigkeit, dann sende ich positive Signale aus im Sinne von Aktivität, Aufgeschlossenheit und Kompetenz. Ich gehe auf andere zu und warte nicht darauf, dass sie die Initiative ergreifen.

Diese Einstellung gepaart mit der prinzipiellen Achtung vor seinen Mitmenschen, ohne Ansehen der Person was Status, Herkunft, Geschlecht oder Religionszugehörigkeit betrifft, ergibt eine positive, weltoffene Ausstrahlung. Irgendwann einmal vielleicht sogar so etwas wie Charisma.

Code Breaking News

Im neuen Roman von Dan Brown “Origin” geht es um die Fragen woher kommen wir, wohin gehen wir ? Der Antagonismus zwischen religiösen und wissenschaftlichen Erklärungen ist ein spannender Krimi-Plot mit ungewissem Ausgang. Ich glaube, obwohl ich Dan Brown gerne lese, wir sollten uns im Zeitalter der schnellen Veränderungen (Code 4) dringend um den Mittelteil kümmern, um das Hier und Jetzt. Nur wenn wir jetzt die Weichen richtig stellen, wird sich die Zukunft für alle positiv gestalten.

Die Frage, die sich stellt, ist zweigeteilt: Was konkret müssen wir anpacken und welchen Bezug dieser Aktivitäten zu einem von der Mehrheit akzeptierten positiven Ziel müssen wir herstellen?

Waren das nicht immer die Fragen und hat das etwas mit der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft zu tun?

Die Digitalisierung bietet unheimlich viele  Chancen und Möglichkeiten, was per se positiv ist (Code 4).  Aber welche Protagonisten gestalten mit welchen Zielen die Zukunft? Sind wir nicht alle aufgefordert, oder andersherum gedacht, haben wir nicht alle die Möglichkeit über die sozialen Medien Einfluss zu nehmen? Wenn der mehr oder weniger sinnbefreite Konsum im Netz die Reduktion der digitalen Welt auf Unterhaltung bedeutet, verspielen wir unsere Chancen. Wir sind und bleiben “Follower” – ja von wem oder was eigentlich?

Eine große Anzahl von “Gestaltern” wäre in der Lage, durch das Gesetz der großen Zahl Einfluss zu nehmen. Momentan geben wir uns damit zufrieden Zuschauer zu sein. Jeden Tag schwirren Nachrichten durch das Netz, die Medien berichten print oder online und nichts ändert sich, außer dass wir uns kurzzeitig aufgeregt haben. Vielleich nehmen wir auch nichts mehr wirklich zur Kenntnis.

Bei den Koalitionsverhandlungen ebenso wie beim Machtkampf in der CSU geht es nicht um inhaltliche Positionen und Verantwortung (Code 6 und 7), sondern nur um Posten und Macht. Nicht die Zukunft der Menschen steht im Vordergrund, sondern wer kann sich besser durchsetzen.

Die wichtigen Fragen zur Gestaltung der Zukunft mit den digitalen Möglichkeiten bleiben unbeachtet. Aber immerhin bauen wir jetzt das Glasfasernetz aus! Was wir aber dann mit Herausforderungen wie Blockchain, digitalen Geschäftsmodellen, Industrie 4.0 und beherrschenden Internetplattformen wie Amazon etc. machen bleibt ebenso unbeantwortet wie die immer weiter auseinanderklaffende Einkommens- und Vermögensverteilung. Die Welt dreht sich immer schneller und die Verantwortlichen beschäftigen sich mit sich selbst.