Vorbild

Ein Mensch mit Vorbildfunktion hält sich nicht für etwas “besseres”, er handelt weil er lernt und dadurch erkennt, dass nichts auf Dauer von Bestand ist außer dem stetig voranschreitenden Wandel. Durch diese bewusst gesuchten Erfahrungen ist es ausgeschlossen, dass einen andere Sichtweisen, Argumente, Weltanschauungen nicht interessieren. Im Gegenteil: alles Neue, alles was irgendwie anders ist als ich selbst, weckt meine Neugierde und bereitet den Weg zu gezielten Veränderungen.

Das Bewusstsein der eigenen Möglichkeiten zum gezielten Wandel öffnet den Geist und erhöht die Wahrnehmungsfähigkeit. Die Wirkung auf die Umwelt ist evident: die anderen Menschen öffnen sich, legen ihre Standpunkte klar und tragen zur gemeinsamen Weiterentwicklung bei. Der Konsens heißt nicht, den anderen überzeugen zu können, sondern sich mit ihm weiterzuentwickeln.

Zur Vorbildfunktion gehört auch die Loyalität. Das bedeutet, eine einmal definierte Beziehungsebene  darf nicht um eines einseitigen Vorteils willen gefährdet werden. Hat sich eine wie auch immer definierte “Gefolgschaft” gebildet, muss sich jeder der Beteiligten zu hundert Prozent auf den anderen verlassen können. Loyalität anderen Menschen gegenüber ist auch nicht teilbar – ganz oder gar nicht.

Vorbild

Werte, Werthaltungen, Konventionen, Glaubenswahrheiten, religiöse Überzeugungen etc. können sehr unterschiedlich sein. Das “richtig” oder “falsch” lässt sich nur im Rahmen kultureller Determiniertheit zuschreiben, ist immer vom eigenen Ethnozentrismus bestimmt und der ist immer besser als alles andere. Wie kann es dann überhaupt zu einer Verständigung kommen, wenn man doch per Definition recht hat?

Die Basis dafür ist wieder die prinzipielle Achtung vor allen Anderen, die Erkenntnis, dass alle Menschen gleich viel wert sind. Sie üben nur verschiedene Funktionen aus, sie sind unterschiedlich mit weltlichen Gütern gesegnet und sie haben unterschiedliche Glaubenssysteme, mit denen sie ihre Realität gestalten.

Versuchen wir jetzt eine Annäherung, so kann ich immer überlegen, ob mein konkretes Verhalten dazu angetan ist, auch für anders denkende Menschen als Vorbild zu dienen. Verhalte ich mich so, wie ich möchte, dass sie sich mir gegenüber verhalten. Wirkung, gleich in welchem Zusammenhang, erzielen wir durch unser konkretes Verhalten, nicht durch reden! Das gesprochene Wort mag für kurze Zeit zu überzeugen. Dann müssen Taten folgen, die mit dem Gesagten übereinstimmen.

Übereinstimmendes Reden und Handeln machen mich für mein Umfeld berechenbar und glaubwürdig. Selbst wenn Punkte strittig sind, so ist mein Verhalten eine Vorlage für einen offenen Gedankenaustausch. Vorbild sein heißt auch, sich seine Lernfähigkeit zu erhalten und zur eigenen Wissensbasis jederzeit neue Erkenntnisse hinzuzufügen. Verhaltensänderung entsteht zum einen aus der Einsicht in neue Wirkungszusammenhänge, zum anderen aus dem gezielten Wollen in Verbindung mit sofortiger Aktion.

Wer erkennt, dass die eigenen Schlussfolgerungen falsch sind, muss nur noch einen kleinen Schritt tun: er muss entsprechend den neuen Erkenntnissen sein Verhalten ausrichten, um dem Umfeld einen Sinneswandel zu signalisieren. Ob das Umfeld dies auch glaubt hängt davon ab, wie ich mich in der Vergangenheit verhalten habe. Ist es mir gelungen Vertrauen aufzubauen oder bin ich schlicht und ergreifend unglaubwürdig, weil ich durch meine bisherigen Aktionen negativ gespeichert bin. Vertrauen baut sich nur sehr langsam auf und ist sehr schnell zerstört.