Eine positive Lebenseinstellung geht meistens einher mit einer individuellen Zielorientierung. Die Frage, die sich stellt ist, mit welcher Geisteshaltung ein geplantes Vorhaben am ehesten erreicht werden kann?
In den Budo-Disziplinen (z.B. Schwertkampf, Karate, Aikido, Ju Jitsu) ist Absichtslosigkeit, die Einstellung “erwarte nichts” die Voraussetzung, um das Ziel der Leere (Munen) zu erreichen. Zuerst übt man eine Technik ganz bewusst, konzentriert sich auf die Fußstellung, Gewichtsverlagerung, Haltung und Bewegungsablauf. Durch diese ungeteilte Konzentration entspannt sich der Geist, das bewusst denkende Ich. Nur die Bewältigung, die möglichst exakte Ausführung der Technik steht im Vordergrund, volle Konzentration auf eine relativ einfache Sache. Dadurch erreicht man, dass sich der Verstand beruhigt, von seinen Alltagssorgen entblößt und so zur Gewinnung einer inneren Ruhe beiträgt. Unsicherheiten werden vergessen.
Auf einer höheren Stufe des Trainings erfolgt zwar die gleiche Konzentration auf die Ausführung einer Technik, aber es handelt sich hierbei um einen unbewussten Vorgang, die Feinheiten sind bereits in “Fleisch und Blut” übergegangen. Sie werden, wenn es der Ablauf erfordert, automatisch ohne Einschaltung des bewussten Denkens ausgeführt. Diese Konzentration, die keinen bewussten Denkprozess beinhaltet ist auf keinerlei Inhalte fixiert, sie ist auf das “Nichts” gerichtet. So wird jeder gedankliche Ballast abgeworfen und der Geist wird von allen Nebensächlichkeiten befreit. Er kann unbelastet auf die Reize seiner Umwelt völlig entspannt und erwartungslos reagieren. Diese Nicht-Fixierung einer Erwartungshaltung erlaubt es die Umwelt so zu erkennen wie sie ist.
Diese Geisteshaltung auf den Alltag übertragen bedeutet ich besitze keine konkrete Erwartung, wie ein Ereignis, dem ich entgegensehe, ausgeht. Ich habe zwar Maßnahmen eingeleitet, um ein Ziel zu erreichen und bin immer aktiv dabei, aber ich verschwende keinen Gedanken an den Erfolg oder Mißerf0lg. Das Geschehen ist durch die Umstände als solches zu erkennen und kann in den iterativen Planungs- und Maßnahmenprozess einbezogen werden.
Der Verstand darf nicht mit den Gegebenheiten verhaftet sein, um aus einer ruhigen Gelassenheit heraus auf die Unwägbarkeiten des Lebens zu reagieren oder das Sein neu zu bestimmen. Ohne irgendwo verhaftet zu sein, ruhe ich in mir selbst und kann ohne mich unnötig zu beunruhigen das Leben erfassen. Überraschungen sind keine mehr, da sie nicht vor meinem Erwartungshorizont auftauchen, sondern einfach als Situation entstehen, die ich als gegeben hinnehme.