Veränderung

Wir leben in einer Zeit tiefgreifender Veränderung. Aber ist Veränderung nicht immer allgegenwärtig und wir machen uns nur manchmal etwas vor? Wir haben eine stabile Phase erreicht im Beruf, in der Familie, in der Politik. Wie lange dauert es, bis wir beginnen etwas festzuhalten, was uns zu entgleiten droht? Ist die Veränderung durch Corona diesmal so gravierend weil sie lebensbedrohend ist?

Die Wahrscheinlichkeit durch einen Unfall im Haushalt oder auf der Straße, durch einen Grippevirus, durch Alkohol- oder Tabakkonsum etc. zu sterben ist wesentlich höher. Was also ist der grundlegende Unterschied?

Die Pandemie ist ein weltweites Phänomen mit hohen Ansteckungsraten, aber die anderen Möglichkeiten zu Tode zu kommen sind ebenfalls weltweit zu finden. Nur bisher waren die staatlichen Eingriffe und Einschränkungen der persönlichen Freiheiten nicht so gravierend und auch nicht für so viele existenzvernichtend! Eine Veränderung durch Einschränkungen, die den einzelnen hilflos machen und von staatlicher Unterstützung abhängig machen sind auf Dauer kontraproduktiv für eine Lösung der Krise. Auch wenn es Gewinner in der Krise gibt, kann die Lösung nicht in einem weiteren Auseinanderdriften der Gesellschaft bestehen. Die Verteilung der Ressourcen muss in einer demokratischen Gesellschaft durch die Teilhabemöglichkeit aller am Wirtschaftsprozess gewährleistet sein.

Code Breaking News

Wird die Nach-Corona Zeit besser als die Zeit vorher – falls es sie denn gibt? Was ändern wir bisher und wer ist wir? Zum einen gibt es die Politiker, die ihre Entscheidungen im Hinblick auf die nächste Bundestagswahl treffen und in klassischer Manier große, bis jetzt noch, etablierte Firmen mit Milliarden unterstützen. Die große Masse der Menschen, die unter den Corona Restriktionen leiden, werden mit Kleinbeiträgen versucht bei Laune zu halten.

Das Argument, dass die großen Firmen viele Menschen beschäftigen zündet nicht, wenn man sich die geplanten Personalanpassungsmaßnahmen anschaut. Darüber hinaus werden keine Lehren aus der mangelhaft vorhandenen Digitalisierungsstruktur gezogen. Die Hauptinvestitionen, die eigentlich Zuschüsse sind, fließen in klassische Industriestrukturen. Es werden Strukturen bedient und nicht Menschen – und dann auch noch die falschen! Der Stellenwert von Kunst und Kultur und die damit betroffenen Menschen sind aus staatlicher Sicht anscheinend nicht systemrelevant genug.

Zum anderen gibt es die “normalen” Menschen und dazu gehören auch alle Kunstschaffenden. Eigentlich die Mehrheit, ohne die das System nicht funktionieren würde weil Steuerzahler. Was ändern wir “normalen” Menschen? “Normal” deshalb bisher in Anführungszeichen, weil ich die Definition nicht genau fassen kann. Wenn die Mehrheit etwas ändern möchte, kann sie in einem demokratischen System die Weichen stellen. Damit meine ich nicht nur die Wahlen sondern die Artikulation präziser Vorstellungen. Im Internetzeitalter, auch wenn die Digitalisierung bei uns noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es genügend Möglichkeiten sich zu beteiligen. Es darf nicht sein, dass nur Radikale und Dummschwätzer, Verschwörungstheoretiker und rechte Politiker sich vermehrt der digitalen Medien bedienen und die große Mehrheit dazu schweigt.

Warum? Ist es gefährlich? Unter Umständen ja. Ist es schwierig? Nein. Ist es unter meinem Niveau mich an “sowas” zu beteiligen? Vielleicht. Um nach Corona nicht die gleichen Verhältnisse wie vorher zu haben, müssen sich alle einbringen. Wir können alle unser Verhalten und unsere Gewohnheiten überdenken, um die Zukunft besser zu gestalten.

Was bedeutet besser? Es ist relativ einfach gegen etwas zu sein, etwas abzulehnen, etwas zu verdammen. Aber diese bessere Zukunft zu definieren ist schwierig. Einfach lässt sich nur die globale Metaebene skizzieren: Klimaerwärmung und Luftverschmutzung müssen reduziert werden – klar. Dem Auseinanderdriften der Vermögensverteilung muss entgegengewirkt werden – aber wie? Einen Konsens über das Wie herzustellen ist die große Herausforderung, weil die großen, hehren Ziele heruntergebrochen auf den Einzelnen unter Umständen weh tun, eine Verhaltensänderung bedeuten, eventuell einen Verzicht auf Liebgewonnenes. Darauf habe ich aber Anspruch, das habe ich mir erarbeitet, das habe ich verdient, der andere nicht! Warum also eine Veränderung?

Die Veränderung passiert sowieso, ob wir sie wollen oder nicht.  Deshalb sollte sie zielgerichtet und mit Absicht herbeigeführt werden! In einer demokratischen Gesellschaft ergibt sich jetzt das Problem, das Neuausrichtungen mehrheitsfähig sein müssen, um legitim zu sein. Also nützt es nichts nur eine mehr oder weniger große Gruppe Gleichgesinnter hinter sich zu scharren, sondern man muss kompromissfähig sein, die eigenen Überzeugungen offen mit anderen weiterentwickeln und versuchen, die Wertebasis der anderen zu verstehen.

Code Breaking News

Ist es zulässig unsere im Grundgesetz festgelegten demokratischen Freiheitsrechte dermaßen einzuschränken, wie es die Regierung – mit Zustimmung der Opposition – derzeit macht?

Es ist interessant im Grundgesetz nachzulesen was wir alles dürfen und was wir alles erreicht haben, was wir behalten wollen, was der Staat für uns sicherstellen muss, was wir gegebenenfalls alles bereit sind zu verteidigen, was … .

Wann habe ich zuletzt im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland nachgelesen? Zum letzten mal im Studium vor über 40 Jahren und jetzt erst wieder – eine Schande ! Im Artikel 2 des Grundgesetzes steht, dass jeder das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit hat. Wenn der Staat nicht mehr in der Lage ist, dies zu gewährleisten und nicht alles tut, um im Krisenfall so viele Menschenleben wie möglich zu retten, so sind alle anderen Grundrechte obsolet! Ein Toter hat keinen Bedarf mehr.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob wir in unsere demokratischen Institutionen und die von uns demokratisch gewählten Politiker so viel Vertrauen haben, dass sie uns nach der Krise unsere im Grundgesetz verbrieften Rechte wieder zurückgeben? Oder werden sie einmal eingeführte Überwachungsmechanismen etc. beibehalten? Ist unsere Demokratie nicht stabil genug, um diese Frage ohne den Gang zum Bundesverfassungsgericht zu beantworten?

Man kann über unsere Politiker sagen was man will (Ausnahme AfD), aber Tendenzen hin zu einer Diktatur oder einer autokratischen Regierungsform hat keiner. Und unsere mündigen Bürger wären sehr wohl in der Lage gemeinsam das zu verhindern. Genauso wie wir zusammen in der Lage sind noch etwas länger durchzuhalten, vorübergehend auf unsere verbrieften Rechte zu verzichten und eine weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Nur so können möglichst viele Menschen gerettet werden.

Jedes Leben ist gleich wertvoll! Handeln wir verantwortlich (Code 7) und tragen wir zum Wohlergehen unserer Mitmenschen bei.

Verantwortung

Die Welt der sozialen Medien ist allgegenwärtig, ob man selbst Nachrichten empfängt oder postet oder auch nur beim fahren mit der U-Bahn. Wie viele Menschen schauen nur noch auf ihr Smartphone und haben Stöpsel im Ohr. Die Digitalisierung geht aber viel weiter und durchdringt mittlerweile all unsere Lebensbereiche. Alle Datenspuren, die wir hinterlassen, werden gespeichert und verwendet. Das ist zunächst nicht schlimm. Die Frage ist: Wer macht was warum mit meinen Daten?

Das warum ist am einfachsten zu beantworten. Alle wollen mit Big Data und der Digitalisierung von Prozessen Geld verdienen. Das ist o.k. wenn die Verantwortung für das Gemeinwesen und damit auch für den Einzelnen nicht zu kurz kommt. Und hier wird es kompliziert. Wir stehen vor großen Umwälzungen. Die Technologiesprünge werden immer kürzer, der Einsatz “künstlicher Intelligenz” findet Einzug in unseren Alltag. Dabei muss man sich über eines im klaren sein: Was technologisch machbar ist wird gemacht. Viele intelligente Köpfe arbeiten an allen möglichen Entwicklungen, ohne sich Gedanken über die Konsequenzen dieser Erfindungen zu machen. Es gibt keinen Wertekanon wofür die technologischen Entwicklungen anzuwenden sind, außer für die Mehrung des Reichtums. Zumindest in den westlichen Demokratien.

Was machen andere Staaten? Hier geht es auch um die Beeinflussung und Manipulation von Meinungen und Wahlergebnissen, um vielleicht die eigene Staatsform zu stärken und andere Konkurrenten um die Deutungshoheit von menschlichem Zusammenleben zu schwächen. Also manipulieren nur die anderen? Werden unsere Nachrichten objektiv zu allen Themen verbreitet und der informierte Staatbürger optimal respektiert?

Verantwortung von staatlicher Seite in einer Demokratie bedarf einer wirklichen Transparenz über alle Themen. Der Bürger muss basierend auf dem demokratischen Wertekanon informiert und beteiligt werden. Gleichzeitig muss auch der Schutz vor technologischen “Attacken” aus dem Cyberspace durch internationale Unternehmen oder Staaten gewährleistet werden.

Die Akteure sind allen bekannt, ebenso was Facebook, Google, Amazon usw. alles mit unseren Daten so treiben, noch dazu ohne so wie der normale Bürger Steuern zu zahlen. Der Handlungsbedarf ist offensichtlich, genauso wie bei den Datenmanipulationen staatlicherseits (USA, China etc.). Welche Werte sind handlungsleitend?

Identifikation mentaler Modelle

Will man Menschen und ihre Motive verstehen, so ist es hilfreich ihren mentalen Verstärkungsmechanismus zu entschlüsseln. Was hat den Menschen dazu gebracht, bestimmten Überzeugungen anzuhängen und andere auszugrenzen, abzulehnen oder zu tolerieren? Irgendwann hat jeder im Laufe seiner Sozialisation Wert- und Verhaltensmuster verfestigt und somit relative Sicherheit in der Beurteilung seines Selbst und der Umwelt erreicht. Diese Muster wurden durch ein bestimmtes Belohnungsschema entwickelt in Verbindung mit kulturell bedingten Normen. Wann der Zeitpunkt der Verfestigung einsetzt ist sicher individuell verschieden. Wichtiger ist warum einzelne Individuen ihre Vorstellungen vom Leben, von Gut und Böse, von richtig und falsch, für absolut halten.

Unter utilitaristischen Gesichtspunkten ist die Antwort einfach: vielen beschert diese Sichtweise ein Gefühl der Überlegenheit. Sie erreichen so  ihre Ziele oft auf Kosten anderer und der Erfolg gibt ihnen formal recht. Der Kreislauf schließt sich!

Betrachten wir die gleiche Situation unter dem Gesichtspunkt der individuellen Entwicklungsperspektive so wird deutlich, dass absolute Normen ihre Ursache in einem abgeschlossenen Lernprozess haben. Das Individuum ist im Besitz der Wahrheit und nur diese Wahrheit ist handlungsleitend. Andere Sichtweisen sind demzufolge falsch und müssen bekämpft oder bestenfalls ignoriert werden. Grundsätzlich ausgeschlossen ist nachdenken und das hinterfragen der eigenen Position. Neue Ideen sind somit ausgeschlossen, der Lern- und Wachstumsprozess ist unterbunden. Das Individuum definiert sich quasi als geschlossenes System, eine absurde Leugnung der sich ständig schneller verändernden Umwelt.

Der Versuch, Erklärungs- und Wertemodelle zu konservieren und auf andere ohne einen Prozess der Auseinandersetzung zu übertragen, führt weg von einer positiven Einstellung zum Leben. Das verhaftet sein an Ideen oder auch materiellen Dingen versperrt den Zugang zu neuen Erfahrungen. Die individuelle Wachstumsspirale kann sich nicht weiterdrehen, wenn neue Erkenntnisse per Definition ausgeschlossen bzw.  als negative Einflüsse abgelehnt werden.

Auch wenn diese Ablehnung im Gewande der Toleranz daherkommt und signalisiert, “Wir glauben an unsere Überzeugungen ohne wenn und aber und Ihr (die Anderen) könnt eure Sicht der Dinge beibehalten”, so ist sie dennoch ungeeignet, das Leben positiv zu bewältigen. Ein Erkenntniszuwachs ist ausgeschlossen und Veränderungen wie z.B. in der Gentechnologie müssen mit tradierten Vorstellungen in Einklang gebracht werden oder eben nicht. Eine zweite oder dritte Sichtweise gibt es nicht.

Im Besitz der Wahrheit zu sein wäre schön – oder doch nicht! Alles über alles zu wissen würde Stasis bedeuten, keine weitere Entwicklung würde stattfinden. Der Mensch ist sicher entwicklungsgeschichtlich betrachtet noch nicht am Ende angelangt. Wenn man den technologischen Fortschritt betrachtet so werden die Entwicklungszyklen immer kürzer, die Innovationsschübe immer schneller. Das Leben, genauer das Zusammenleben, verändert sich rapide. Durch die Technologie sind weltweite Entfernungen auf die Distanz eines Business- oder Ferientrips zusammengeschrumpft, die Kommunikationstechnologien vermitteln weltweite Unmittelbarkeit. Jedem steht ein fast unbegrenzter Informationspool zur Verfügung und damit neues, wenn auch nur temporäres Wissen. Temporär deshalb, weil Wissen sich ständig verändert und vermehrt. Je mehr Informationen ausgetauscht werden, um so mehr Kombinationsmöglichkeiten ergeben sich mit immer neuen Perspektiven, wie man die Welt interpretieren kann.

Im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung auf das Lernen zu verzichten heißt, das individuelle Lebensmosaik, in dem Wissens- und  Erfahrungsbausteine aneinander andocken, als abgeschlossen zu verstehen. Das individuelle Wachstum ist eingestellt, die Welt bleibt so wie sie ist – eine trügerische Hoffnung.

Wenn es nur einen Sinn im menschlichen Leben gibt, dann ist es die Veränderung. Und zwar die positive Veränderung. Positiv heißt zielgerichtet und im Austausch mit anderen, fremden Perspektiven und Sichtweisen. Jeder neue Gesichtspunkt ist eine Bereicherung, der den eigenen Lern- und Wachstumsprozess unterstützt. Wer glaubt, er habe alles geregelt und im Griff, ist der irrigen Meinung, dass es darum geht, etabliert zu sein!

Im Hagakure steht dazu folgende Passage: “Ein Mann, der denkt, er sei schon etabliert, ist unklug; ein Mann, der mit festgefahrenen Ansichten zufrieden ist, die er durch erhebliche Anstrengungen gewann, ist bereits in eine Falle getreten. Beide Männer sollten vielmehr erst danach streben, die grundlegende Einstellung gegenüber Fertigkeiten zu erlangen und lebenslange Bemühungen in Richtung auf das letzte Ziel zu unternehmen. Ohne einen Augenblick der Selbstzufriedenheit mit dem bisschen, was man herausgefunden hat, sollte man seine erreichten Ergebnisse immer noch für unbefriedigend und nicht gut genug halten und den rechten Weg zur Meisterschaft das ganze Leben lang erforschen. Die Wahrheit liegt nirgendwo sonst als auf diesem Weg des Bemühens selbst.”(Yamamoto Tsunetomo, Hagakure)

Identifikation mentaler Modelle

Eine positive Lebenseinstellung geht meistens einher mit einer individuellen Zielorientierung. Die Frage, die sich stellt ist, mit welcher Geisteshaltung ein geplantes Vorhaben am ehesten erreicht werden kann?

In den Budo-Disziplinen (z.B. Schwertkampf, Karate, Aikido, Ju Jitsu) ist Absichtslosigkeit, die Einstellung “erwarte nichts” die Voraussetzung, um das Ziel der Leere (Munen) zu erreichen. Zuerst übt man eine Technik ganz bewusst, konzentriert sich auf die Fußstellung, Gewichtsverlagerung, Haltung und Bewegungsablauf. Durch diese ungeteilte Konzentration entspannt sich der Geist, das bewusst denkende Ich. Nur die Bewältigung, die möglichst exakte Ausführung der Technik steht im Vordergrund, volle Konzentration auf eine relativ einfache Sache. Dadurch erreicht man, dass sich der Verstand beruhigt, von seinen Alltagssorgen entblößt und so zur Gewinnung einer inneren Ruhe beiträgt. Unsicherheiten werden vergessen.

Auf einer höheren Stufe des Trainings erfolgt zwar die gleiche Konzentration auf die Ausführung einer Technik, aber es handelt sich hierbei um einen unbewussten Vorgang, die Feinheiten sind bereits in “Fleisch und Blut” übergegangen. Sie werden, wenn es der Ablauf erfordert, automatisch ohne Einschaltung des bewussten Denkens ausgeführt. Diese Konzentration, die keinen bewussten Denkprozess beinhaltet ist auf keinerlei Inhalte fixiert, sie ist auf das “Nichts” gerichtet. So wird jeder gedankliche Ballast abgeworfen und der Geist wird von allen Nebensächlichkeiten befreit. Er kann unbelastet auf die Reize seiner Umwelt völlig entspannt und erwartungslos reagieren. Diese Nicht-Fixierung einer Erwartungshaltung erlaubt es die Umwelt so zu erkennen wie sie ist.

Diese Geisteshaltung auf den Alltag übertragen bedeutet ich besitze keine konkrete Erwartung, wie ein Ereignis, dem ich entgegensehe, ausgeht. Ich habe zwar Maßnahmen eingeleitet, um ein Ziel zu erreichen und bin immer aktiv dabei, aber ich verschwende keinen Gedanken an den Erfolg oder Mißerf0lg. Das Geschehen ist durch die Umstände als solches zu erkennen und kann in den iterativen Planungs- und Maßnahmenprozess einbezogen werden.

Der Verstand darf nicht mit den Gegebenheiten verhaftet sein, um aus einer ruhigen Gelassenheit heraus auf die Unwägbarkeiten des Lebens zu reagieren oder das Sein neu zu bestimmen. Ohne irgendwo verhaftet zu sein, ruhe ich in mir selbst und kann ohne mich unnötig zu beunruhigen das Leben erfassen. Überraschungen sind keine mehr, da sie nicht vor meinem Erwartungshorizont auftauchen, sondern einfach als Situation entstehen, die ich als gegeben hinnehme.

Identifikation mentaler Modelle

Warum brauche ich eine positive Lebenseinstellung? Was ist eine positive Einstellung?

Die Antwort ist vielschichtig und doch ganz einfach. Vielschichtig deshalb, weil sie der Komplexität des menschlichen Lebens gerecht werden muss und einfach, weil der Kern der Wahrheit in jedem selbst liegt.

Fangen wir mit der Definition von positiv an. Positiv ist alles, was mich in einen Zustand der Zufriedenheit und Ausgeglichenheit versetzt und damit meine Leistungsfähigkeit voll zur Entfaltung bringt. Ich bin in der Lage, meine Fähigkeiten voll zu nutzen. Aber nutzen wofür? Die maximale Entfaltung setzt ein definiertes Ziel voraus, so dass ich meine begrenzt vorhandene Energie fokussiert einsetzen kann.

Jedwedes Ziel muss nun im sozialen Kontext betrachtet werden. Berücksichtigt meine Zielsetzung nur einseitig meine Interessen ohne Einbeziehung der komplexen Abhängigkeiten in die jeder eingebunden ist, so entsteht mittel- bis langfristig betrachtet lediglich eine Suboptimierung ohne dauerhaften positiven Effekt. Ziele müssen für einen dauerhaften Erfolg divergierende Interessenlagen berücksichtigen. Erst wenn man die verschiedenen Perspektiven verstanden hat, kann man selbst die Richtung finden.

Es geht also um individuelle Zufriedenheit, Ausgeglichenheit, Fähigkeiten und Ziele, die der Einzelne selbst formulieren muss. Also geht alles von einem selbst aus, ohne den Fehler zu begehen, sich als asoziales Wesen ohne Rücksicht auf andere zu definieren. Die Kraft, die Initiative, das Positive steckt im Menschen!

Woran liegt es nun, dass die meisten Menschen, von kurzen “Glücksphasen” abgesehen, unzufrieden sind z.B. mit ihrer Arbeit, ihrem Chef oder ihrem Partner, ohne etwas dagegen zu unternehmen?

Ganz einfach: Sie weigern sich, die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Die Schuld für mangelnden Erfolg wird immer bei anderen gesucht  (und gefunden!) und nicht im eigenen Handeln oder Unterlassen.

Eine positive Lebenseinstellung ist genau genommen nichts anderes als ein Vor-Urteil dem eigenen Leben gegenüber, unabhängig von den äußeren materiellen Umständen, in die man hineingeboren wurde. Leugnet man damit nicht die Realität?

Ganz im Gegenteil: Man definiert seine eigene Realität und übernimmt die Verantwortung für die Weiterentwicklung auf ein selbst formuliertes Ziel hin. Der Einzelne wird so zum Gestalter der eigenen Lebensumstände, limitiert nur durch seine eigenen Fähigkeiten und bis zu einem gewissen Grat auch durch unterschiedliche materielle Voraussetzungen.

Identifikation mentaler Modelle

Es ist falsch zu sagen ein junger Mensch hätte ja noch das ganze Leben vor sich oder aus der Perspektive eines alten Menschen, er habe es jetzt fast hinter sich, sein Leben sei gelebt. Der Mensch lebt sein Leben nicht mit einer Zukunfts- oder Vergangenheitsdimension, sondern nur der aktuelle Bezug, das Sein in der Gegenwart ist von Bedeutung. Leben existiert nur als Seinszustand ohne Relation zur Zeit, da das Leben vor einer Sekunde bereits nicht mehr existiert, nicht mehr sinnlich erfahrbar ist. Es ist lediglich durch einen kognitiven Vorgang aus der Erinnerung abrufbar.

Vorausgesetzt diese Annahme ist korrekt, so erscheint es doch verwunderlich, dass im Alltag ein Großteil der Energie in Gesprächen darauf verwandt wird, vergangene Ereignisse zu kritisieren ohne die viel entscheidendere Frage zu stellen, was können wir jetzt tun, um etwas Neues zu erreichen?

Die Dimension der Zeit geht einher mit dem individuellen Tunnelblick, der verhindert, dass die Perspektive von anderen auch nur ansatzweise hinterfragt wird. Man ist mit der Vergangenheitsbewältigung so beschäftigt, dass eine Annäherung an andere Standpunkte ausgeschlossen ist.

Wie kommt der Tunnelblick zustande? Jede Wahrnehmung wird im Gehirn bewusst oder unbewusst abgespeichert. Direkten Zugriff hat man nur auf einen ganz kleinen Teil dieser Informationen, da das Gehirn bewusst individuell nur sehr selektiv wahrnimmt. Der große Rest wird sozusagen ausgefiltert und irgendwo ohne direkte Zugriffsmöglichkeit abgespeichert. Die Art und Weise der selektiven Wahrnehmung hängt von dem individuellen Wahrnehmungsraster des Einzelnen ab, das durch die gemachten Erfahrungen geprägt ist. Welche Erfahrungen ich in der Vergangenheit gemacht habe und wie ich sie zu Vor-Urteilen verarbeitet habe, beeinflusst entscheidend sowohl die Auswahl der potentiell wahrnehmbaren Umweltreize als auch den weiteren “Verarbeitungsmechanismus”, der wiederum zu neuen, gespeicherten Vor-Urteilen führt. Nach der selektiven Wahrnehmung setzt der Prozess der Vermutungen ein, wo man überlegt, wie etwas gemeint sein könnte oder was eigentlich dahintersteckt. Diese Phase geht dann – als Automatismus – nahtlos in die Bewertung des Wahrgenommenen über und schließt den Prozess ab.

Diese Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse finden großenteils unbewusst statt, ohne dass man sich darum kümmern muss. Sie laufen im Wachzustand permanent ab und definieren unsere Realität. Eine sehr subjektive Realität, die nicht immer deckungsgleich ist mit der Realitätsdefinition der Mitmenschen. Und da beginnen die Probleme!

Gelingt es uns aber jetzt die Zeitperspektive auf die Gegenwart zu fokussieren, auf den einzig existierenden Moment im Jetzt, und gleichzeitig unsere automatisch ablaufenden Wahrnehmungsprozesse auf ein Ziel hin zu fokussieren, so wird die Lösungsenergie optimal konzentriert. Die Wahrnehmung ausrichten heißt, den Versuch zu starten, abweichende Perspektiven zu hinterfragen, Übereinstimmungen zu erkennen und dort argumentativ anzuknüpfen, wo eine gemeinsame Schnittmenge besteht.

Der Prozess der Wahrnehmung kann als solcher nicht verändert werden, da er biologisch determiniert ist. Was wir aber gezielt beeinflussen können ist die Anzahl der Wahrnehmungen. Indem wir auf unsere Gesprächspartner eingehen und viele offene Fragen stellen erhalten wir mehr Informationen. Ein mehr an Informationen bedeutet andere Positionen besser zu verstehen und das aneinander vorbeireden zu vermeiden. Den Gesprächspartner von da abzuholen, wo er sich mental befindet heißt auch der Vergangenheitsperspektive – und damit persönlichen Vor-Urteilen – keinen absoluten Stellenwert mehr einzuräumen. Absolute Standpunkte sind für eine Verständigung immer kontraproduktiv.

Wenn nur die Gegenwart, der momentane Augenblick, wirklich zählt, kann trotzdem die Vergangenheit als historische Dimension lehrreich sein. Der Schwerpunkt muss aber auf der Gestaltung des Hier und Jetzt liegen. Die Zukunft kann nur positiv zielgerichtet beeinflusst werden wenn gemachte Erfahrungen mein Handeln nicht einseitig einschränken. Denken und positives Handeln können nur eins sein wenn ich meinen Geist frei vom Ballast der Vergangenheit gemacht habe, ohne aber auf die Lernkurve zu verzichten.

Die Fähigkeit Fragen zu stellen hängt mit der eigenen Sichtweise der Welt zusammen. Die erlernten Wert- und Verhaltensmuster definieren, ob es überhaupt einen Sinn macht, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Nur wenn mein Standpunkt kritikfähig ist und ich mich selbst als offenes System begreife, werde ich die Unsicherheit in Kauf nehmen, neue Informationen wahrzunehmen und auf ihre Tauglichkeit hin selbstkritisch zu überprüfen.

Bin ich dagegen missionarisch unterwegs und leite meine Wertvorstellungen von historischen Wahrheiten her, so bin ich an neuen Aspekten a priori nicht interessiert, da ich alles bereits weiß. Ein Dialog über geistige Grenzen hinweg kann nicht stattfinden, außer der Andere ist willig sich bekehren zu lassen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Geist orientierungslos auf der Suche nach neuen Werten ist und von seiner bisherigen Interpretation des Lebens enttäuscht wurde. Das neue Interpretationsmuster gibt Halt und Orientierung bei gleichzeitiger Entwertung der bisherigen Erfahrungen bzw. durch die Anknüpfung an “wahre” absolute Dogmen.

Die Frage, die sich an dieser Stelle stellt ist einfach – ebenso wie die Antwort. Was ist Wahrheit? Perspektive!

Identifikation mentaler Modelle

Es existieren viele Modelle von Menschsein und jedes Modell kann erfolgreich sein. Relative Schönheit, körperliche und geistige Fitness garantieren noch keinen Erfolg und auch nicht das Glücklichsein. Sonst müssten alle Reichen, Prominenten und Schönen doch immer Erfolg haben und glücklich sein. Das genaue Gegenteil ist oft der Fall und nach außen hin wird nur die Fassade aufrecht erhalten. Das gibt Hoffnung für den großen Rest der Menschheit.

Erfolg hängt in erster Linie davon ab, ob man sich Ziele setzt und bis zu welchem Grad man diese selbst gesteckten Ziele auch erreicht. Hat man Erfolg, so stellt sich ein Gefühl der Zufriedenheit ein und das ist eine gute Voraussetzung für subjektives Wohlbefinden. Das Gefühl glücklich zu sein lässt sich am besten erreichen wenn man einen Menschen hat, mit dem man seine Erfolge teilen und genießen kann. Deshalb sind wahrscheinlich die meisten Menschen in irgendeiner Form von jemandem abhängig. So wie ich auf den anderen angewiesen bin entsteht eine Verpflichtung dem anderen gegenüber, ich bin für ihn verantwortlich.

Was heißt nun für den anderen verantwortlich? Das muss jeder für sich selbst fühlen und definieren. Prinzipiell ist jeder für sich selbst verantwortlich, andererseits entstehen Gemeinschaften erst dadurch, dass man für andere Verantwortung übernimmt, sei es weil die Verantwortung delegiert wurde oder weil man sich in der stärkeren Position befindet und diese Situation nicht einseitig ausnutzt. Da der Mensch in der heutigen vernetzten Welt immer mehr auf andere angewiesen ist, muss die gegenseitige Unterstützung als Voraussetzung für den Erfolg erklärt werden.

Erfolg lässt sich planen. Planen genau so wie man eine Umsatz- oder Geschäftsfeldplanung oder ein Jahresbudget macht. Mit einem wesentlichen Unterschied: die Erfolgswahrscheinlichkeit ist höher, wenn das Ziel ein auf mich individuell abgestimmtes Ziel ist und demzufolge die Motivation zur Zielerreichung sehr groß ist. Eine einhundertprozentige Garantie gibt es aber selbst bei Beachtung aller Schritte nicht. Die Erfolge in Summe werden jedoch mehr und damit einhergehend die positiv bewertenden Erlebnisse.

Dadurch, dass man immer irgendwie von anderen Menschen abhängig ist, entsteht eine große Gefahr bei der Festlegung eines Erfolgskorridors: Die Ziele werden an vermutete oder auch ausgesprochene Erwartungen des sozialen Umfeldes in das man eingebunden ist ausgerichtet. Nicht die eigenen Wünsche und Träume sind ausschlaggebend, sondern die Abhängigkeiten, die es zu berücksichtigen gilt.

Der Mensch ist kein Einzeller sondern ein Vielzeller, d.h. um erfolgreich zu sein muss der “Zellverbund” insgesamt bedient werden. Ziele, die nur an den eigenen Ich – Bedürfnissen ausgerichtet werden, enden in der Isolation. Hier einen Zielkorridor festzulegen, der das soziale Umfeld angemessen berücksichtigt und gleichzeitig die individuelle Zielprojektion nicht trübt, ist ein hartes Stück Arbeit. Dies bedeutet für die Zielfindung ein sorgfältiges Abwägen und Hinterfragen von allen Säulen meiner Identität. Gleichzeitig müssen die eigenen Stärken ohne Selbsttäuschung analysiert werden. Erst dann können Ziele mit Aussicht auf Erfolg ins Auge gefasst werden.

Der Erfolgsprozess hat viel damit zu tun, dass man nicht in erster Linie etwas für andere tut, sondern für sich selbst. Das Individuum muss seine innersten Grundbedürfnisse erkennen und diese dann soweit wie möglich befriedigen. Wenn man dabei Kompromisse eingeht, so sollte man dies “sehenden Auges” tun, d.h. mit voller Absicht und mit der gleichen Begeisterung, als ob es eine nur meinen Belangen dienende Entscheidung wäre. Was man absichtlich macht oder nicht ändern kann muss man zu einhundert Prozent akzeptieren und nicht immer wieder in Frage stellen.

Diese Form der Standortbestimmung bedeutet, dass man sich die gegenwärtige Situation voll bewusst macht. Der Reflexionsprozess bezieht Vor- und Nachteile gleichermaßen mit ein und konzentriert sich auf das wahrscheinlich Machbare. Lösungsansätze stehen im Fokus und nicht Optionen, die nur mit viel Glück funktionieren würden. Man hat immer die Wahlfreiheit, ob man Unmögliches will und nur träumt, oder ob man realistische Handlungsstränge verfolgt. Die Zukunft ist mit einer Wahrscheinlichkeitskorona umgeben und diese gilt es zu erreichen. Wenn von vornherein klar ist, dass die Erfolgsaussichten gegen Null tendieren, so verschwendet man nur seine begrenzt vorhandene Energie.

Identifikation mentaler Modelle

Wer oder was motiviert mich? Ich bin demotiviert! Ich habe keine Lust – null Bock auf gar nichts! Woher kommt bei vielen Menschen das Gefühl ausgeliefert zu sein, andere Menschen zu benötigen, um ihre eigene Zufriedenheit und Motivation steigern zu können?

Hinter dem Komplex der Motivation verbirgt sich nicht primär die Unterscheidung zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation, sondern vielmehr die Frage nach den Möglichkeiten sich selbst zu steuern oder andere zu beeinflussen. Die Frage ist letztendlich, ob es der Einzelne grundsätzlich in der Hand hat, sein Leben selbst zu beeinflussen und in eine gewünschte Richtung zu lenken. Oder gehe ich vielmehr davon aus, dass ich andere Menschen benötige, um selbst motiviert zu sein.

Was lernen wir während unserer gesellschaftlichen Sozialisation? Wir sind normalerweise eingebunden in ein soziales Netz, wir sind abhängig von anderen Menschen. Die Strukturen definieren dabei die Chancen und Abhängigkeiten innerhalb des Systems. Hier ist definiert wie man vorankommt und wie man sich damit Erfolgserlebnisse verschaffen kann. Durchschaut man einigermaßen die Spielregeln und passt sich ihnen an, so kann man sie benutzen, um individuellen Erfolg zu erzielen. Der Lerneffekt ist klar: Erfolg entsteht in der Mehrzahl der Fälle durch Anpassung und Vernetzung im System. Ergo sind Abhängigkeiten vorprogrammiert.

Stellt sich der Erfolg jedoch nicht so wie erwartet ein, taucht nicht zuerst die Frage nach möglichen Ursachen auf, sondern die Schuldfrage. Wer ist schuld, dass ich keinen Erfolg habe, wer ist schuld, dass ich nicht motiviert bin? Die Antwort ist vielfach klar: schuld sind die Anderen, der Chef, die Kollegen, die Firma, der Ehemann, die Freundin oder am besten das gesamte System, wer immer auch genau das ist.

Diese häufig anzutreffende Reaktion hängt davon ab, inwieweit ich gelernt habe, für mein Leben selbst die Verantwortung zu übernehmen. Oder habe ich mehr gelernt, dass andere für mich die Entscheidungen treffen? Das ist immer in Ordnung solange alles gut läuft. Aber was wenn nicht?

Wer schimpft hat eine Ausrede und befindet sich in guter Gesellschaft und muss vor allem nichts ändern. Der Zustand des Verhaftetseins in Ohnmacht macht “solidarisch” mit den anderen Leidensgenossen. Die Frage nach eigenen Handlungsoptionen stellt sich nicht, das Gewohnte bleibt unangetastet.

Also: Wie werde ich nun motiviert, wie kann ich individuellen Erfolg haben? Einfach in dem ich hoffe, dass die “Anderen” etwas für mich tun oder indem ich einfach auf mein Glück vertraue? Damit bin ich ausgeliefert. Die Frage der Motivation und des Erfolgs verlagert sich nach außen. In meinem privaten Gedankenbiotop kann ich träumen, aber es passiert nichts. Alles außerhalb entzieht sich meiner Kontrolle.

Es ist zweifelsohne richtig, dass einen Menschen bestimmte Äußerlichkeiten motivieren können, wie z.B. ein neuer Dienstwagen oder eine Gehaltserhöhung bzw. auf der intrinsischen Ebene eine Position mit mehr Gestaltungsspielraum. Aber warum sind es gerade diese Dinge und nicht andere? Warum motiviert nicht jeden genau das Gleiche, warum kann man die Umfeldbedingungen nicht so gestalten, dass alle zufrieden sind und nicht mehr meckern?

Entscheidend ist der Vorgang der individuellen Bewertung, was wie wirkt! Dafür ist eine klare Definition notwendig, was der Einzelne unter Erfolg versteht und welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit sich Motivation einstellt. Erst dann kann eine Bewertung von Umständen, Ereignissen etc. gezielt erfolgen und als Ergebnis eine positive Stimmung zur Folge haben.

Wenn aber der Bewertungsvorgang, nach welchen Kriterien auch immer, der entscheidende Aspekt ist, so sollte der Vorgang der Motivation neu hinterfragt werden. Der Bewertung geht ja zunächst die Wahrnehmung voraus, d.h. der Mensch nimmt mit all seinen Sinnen Umweltreize auf. Und da geht das Problem schon los: Prinzipiell kommen zwar alle Signale an, aber was bewusst erfasst und verarbeitet wird, hängt von den Denk- und Wahrnehmungsmustern ab, mit denen man gerade operiert. Halte ich die Diskussion über eine Optimierung des Kundenservice für überflüssig, weil ich denke wir müssten zuerst unsere technischen Probleme in den Griff bekommen, so wird die Wahrnehmungsphase für die Argumente der Serviceoptimierer eingeschränkt sein, da sich ein wesentlicher Teil meines Gehirns mit der höheren Priorität beschäftigt. “Richtige” Argumente können so trotzdem abgelehnt werden, nur weil sie der Wahrnehmungsfilter als unwichtig klassifiziert. Als Konsequenz daraus ergibt sich eine einfache Regel: Erst müssen beide Parteien die gleiche Problemsicht haben, um mit ähnlichen Denkmustern ihre Wahrnehmung zu harmonisieren.

Ist die Eingangshürde genommen, so ist die individuelle Aufmerksamkeit sozusagen synchronisiert und man kann zumindest von einer ähnlichen Voraussetzung ausgehen. In der zweiten Phase werden die Informationen, die den Eingangsfilter ins bewusste Denken geschafft haben, hinterfragt, manchmal bewusst, manchmal auch unbewusst. Das Gehirn trifft Annahmen, warum etwas so ist wie es wahrgenommen wird, vermutet was dahinterstecken könnte, was das für Konsequenzen haben könnte, etc.. Diese Interpretationsphase, diese prinzipielle Herangehensweise wird geprägt von den Erfahrungen, die das Individuum in solchen oder ähnlichen Situationen bereits gemacht hat. Diese Erfahrungsmuster können den Prozess der Verarbeitung von eingehenden Informationen sowohl unterstützen als auch behindern. Das hängt davon ab, ob die Vor-Urteile zu einem Thema oder einer Person positiver oder negativer Natur sind. Bei positiven Vor-Urteilen ist man sehr viel schneller auf einer ähnlichen Perspektivenebene gelandet, wie wenn man  dem anderen a priori nur Schlechtes unterstellt.

Ist die Interpretationsphase abgeschlossen, erfolgt die Bewertung der wahrgenommenen Informationen: Bin ich dafür oder dagegen, spricht mich das als Herausforderung an oder bin ich frustriert und demotiviert.

Für den Motivationsvorgang bedeutet dies zweierlei: Zum einen muss die Priorisierung des Informationsgegenstandes einheitlich sein, zum anderen muss der gespeicherte Erfahrungshorizont des Anderen bekannt sein, um gezielt Rahmenbedingungen zu schaffen, die in der letztendlichen Bewertung zu motivierenden Aspekten führen.

Um sich selbst und andere auf einen gemeinsamen Nenner bringen zu können, ist es unerlässlich die eigenen gespeicherten Wahrnehmungs- und Handlungsmuster zu kennen. Erst von dieser Basis aus kann man ansatzweise die Muster anderer Menschen verstehen. Das Verstehen ist die Voraussetzung für einen konstruktiven Dialog.